Die Taiji-Prinzipien sind einheitlich und unveränderlich,
auch wenn sich die äußere Form bei verschiedenen Stilen, Schulen und Meistern unterscheiden mag.

Huang Sheng Shyan

Über die Ursprünge und Überlieferung des Taiji gibt es nur wenig gesicherte Informationen. Als eine Art geheimes Wissen wurde dieses nur von Lehrer zu Schüler weitergegeben; die historischen schriftlichen Aufzeichnungen sind unvollständig. Die folgende Auflistung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und konzentriert sich auf die Traditionslinie, die wir üben, nämlich Yang-Stil Taiji nach Cheng Man-ch'ing, Huang Sheng Shyan und Patrick Kelly.

Philosophische Grundlagen
(~3. Jtsd. - 6. Jhdt. v.Chr.)
Die philosophischen Prinzipien des Taiji wurden schon vor mehreren Tausend Jahren im I Ging (Buch der Wandlungen) und später vor rd. 2500 Jahren von Lao Tzu, dem Begründer des Daoismus, im Daodejing formuliert. Taiji als Übungspraxis zur Umsetzung dieser Prinzipien wurde erst viel später entwickelt.

Zhang Sanfeng
(~13. Jhdt.)
gilt als mythischer Begründer des Taiji. Er war ein daoistischer Mönch, der vor ca. 750 Jahren in den Wudang-Bergen gelebt haben soll. Der Sage nach beobachtete er einen Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange und leitete aus den weichen Ausweichbewegungen der Schlange, die den schnellen harten Stößen des Kranichs immer wieder geschickt entkam, die Prinzipien der Weichheit und des Nachgebens in der Kampfkunst ab.
Wang Zongyue
(~13./15. Jhdt.)
ist ebenfalls eine legendäre Figur in der Geschichte des Taiji. Er soll entweder Schüler von Zhang Sanfeng gewesen sein oder etwas später im 15. Jahrhundert gelebt haben. Er gilt als Autor einer der "Klassischen Schriften" des Taiji, der "Klassischen Schrift zu Taijiquan".
Chen Wangting
(* 1580; † 1660)
war General der Ming-Dynastie und gilt als Begründer des Chen-Stils, welcher über viele Generationen nur innerhalb der Chen-Familie weitergegeben wurde. Er schuf verschiedene Trainingsmethoden und integrierte Elemente der chinesischen Philosophie in seine Kampfkunst. Sein Nachkomme Chen Changxing (* 1771; † 1853) unterrichtete entgegen der Familientradition erstmals auch ein Nicht-Familienmitglied und zwar Yang Luchan.
Yang Luchan
(* 1799; † 1872)
galt als der beste Schüler seines Lehrers Chen Changxing, weshalb die Taiji-Tradition an ihn weitergegeben wurde. Er begründete den Yang-Stil und gab sein Taiji auch an die drei weiteren Hauptstile des Taiji (neben Chen-Stil und Yang-Stil: Wu/Hao-Stil, Wu-Stil und Sun-Stil) weiter. Er ging nach Peking und unterrichtete dort neben seiner eigenen Familie u.a. auch am Kaiserlichen Hof.
Yang Chengfu
(* 1883; † 1936)
war der Enkel des Yang-Stil Gründers Yang Luchan. Gemeinsam mit seinem Bruder Yang Shaohou (* 1862; † 1930) sowie seinen Kollegen Wu Jianquan (* 1870; † 1942, dem Begründer des Wu-Stils) und Sun Lutang (* 1860; † 1933, dem Begründer des Sun-Stils) gehörte Yang Chengfu ab 1914 zu den ersten, die eine größere Anzahl Außenstehender am Pekinger Forschungsinstitut für Körperkultur unterrichteten. Er veränderte den Kampfstil seiner Familie grundlegend und formalisierte die langsame Taijiform des Yang-Stils mit 108 Bewegungen.
Cheng Man-ch'ing
(* 1898; † 1975)
war persönlicher Schüler von Yang Cheng-Fu und neben dem Taiji auch für seine Meisterschaft in Medizin, Malerei, Dichtkunst und Kalligraphie als "Meister der fünf Vortrefflichkeiten" bekannt. Er verkürzte die traditionelle Yang Langform mit 108 Bewegungen zur kurzen Yang Form mit 37 Bewegungen, um sie einer größeren Anzahl von Interessenten zugänglich zu machen. Nach 1949 lebte und unterrichtete er in Taiwan und brachte das Taijiquan auch in den Westen (New York).
Huang Sheng Shyan
(* 1910; † 1992)
hatte seit seinem 14. Lebensjahr Baihequan (White Crane), Lohanquan (18 Buddha boxing) und Nei Gung (Daoistische Interne Alchemie) bei Xie Zhongxian (* 1852; † 1930 - der auch Lehrer des Karate Meisters Higaonna Kanryo war) gelernt und war ein anerkannter Kampfkunst Experte als er mit 39 Jahren Cheng Man-ch'ing traf, welcher der erste Taiji-Meister war, der problemlos mit Huang's Kampfkunstfertigkeiten umgehen konnte. Er wurde dessen Schüler und emigrierte später auf dessen Wunsch nach Singapur und Malaysien, wo er 40 Schulen mit über zehntausend Schülern gründete.
Patrick Kelly
(* 1950)
war seit 1979 persönlicher Schüler von Huang Sheng Shyan bis zu dessen Tod und hatte danach u.a. engen Kontakt mit Ma Yueliang (* 1901; † 1998), dem Schwiegersohn des Wu-Stil Gründers Wu Jianquan. Parallel dazu arbeitete er viele Jahre lang eng mit Naqshbandi Sufi Abdullah Dougan (* 1918; † 1987) und Raja Yogi Mounimaharaj (* ?; † 2007) aus Rajasthan. Auf Wunsch seiner Lehrer unterrichtet Patrick Kelly intensiv in Europa, Asien und Australien und verbindet dabei seine Einsichten in alle drei großen Strömungen spiritueller Lehren zu einem Unterrichtssystem, das den Schüler Schritt für Schritt auf dem Weg innerer Entwicklung führt.